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verfasst 26.01.2012 von Redaktion [Gr] | kurze URL: /t1658 | 4 Kommentare

Polizeieinsatz nach Flashmob im Görlitzer Stadtrat (mit Videos)

Eine Flashmob-Aktion löste bei der 50. Stadtratssitzung am 26.01.2012 in Görlitz einen Polizeieinsatz aus. 80 bis 100 Jugendliche starteten im Stadtratssaal mit verklebtem Mund einen Flashmob und verteilten Handzettel „Noch sind wir hier!”. Was viele Stadträte nur aus dem Fernsehen kannten und in Görlitz noch nie gesehen hatten war plötzlich vor ihnen. Oberbürgermeister Joachim Paulick forderte die Beteiligten sofort auf den Saal zu verlassen und drohte ggf. mit Maßnahmen. Nach 5 Minuten (so ist das bei einem Flashmob üblich) friedlicher Aktion gegen die schlechten Perspektiven für Jugendliche in Görlitz (und das war nicht die erste Aktion) zogen die beteiligten wieder ab. Irgendwer hatte jedoch die Polizei gerufen worauf die Jugendlichen ihre Name, Anschrift und Geburtsdatum nennen mussten. Stadträte kritisierten die Haltung von OB Paulick und fanden die Reaktion als völlig überzogen. OB Paulick hat dagegen sein Handeln erst später mit der Deckentraglast von nur 90 Personen im Saal begründet. Zu keiner Zeit war irgendwer bedroht und wer jetzt diesen Polizeieinsatz bezahlt muss, muss noch geklärt werden. OB Paulick wurde von Herrn Urban nahe gelegt mal ein Deeskalationsseminar zu besuchen. Auf alle Fälle hatte diese Aktion ihren Zweck erfüllt - nämlich Aufmerksamkeit schaffen. Und vielleicht sollte der ein oder andere (fast) Rentner im Stadtrat mal darüber nachdenken.

Zitat von OB Paulick

„Ich habe versucht mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Sie hatten sich deutlich Sichtbar die Münder zugeklebt. Ich habe keine Reaktion bekommen, die Reaktion war eher so, dass ich annehmen musste das dieser Zustand etwas deutlich länger dauert und ein bestimmtes Ziel erreicht werden sollte ... ich bin froh, dass wir diese Situation so schnell auch, auch durch das vernünftige Handeln der Jugendlichen dann aufgelöst haben”

Seine Rede kurz nach der Pause klang fast so, als hätte der OB das nicht als Flashmob erkannt. Nach 5 Minuten hätte sich die Aktion so der so aufgelöst.

Zitat von Dr. Peter Gleißner (zur Sache)

„Ähhh Dr. Weidle sprach gerade in Namen aller Fraktionsvorsitzenden. Ich muss ihn mitteilen, dass ich mich ihnen nicht anschließe. Was hier passiert ist, ist für mich eine Ordnungswidrigkeit. Wir haben schon mehrfach Jugendliche hier gehabt, die sich artikuliert haben, die sich wie normale Bürger genommen haben, die sich nicht den Mund verklebt haben, und rumgelaufen sind das man nicht wusste was das für Typen sind. Für mich war das heute eine erschreckende Art, nicht wie die Jugendlichen sich benommen haben (das kennt ich), aber die Falschheit und der Populismus von Leuten wie von Ihnen.”


Zitat von Dr. Peter Gleißner (zur Sache)

„Ich würde vorschlagen, dass wir die nächsten Stadtratssitzungen halbieren. Die eine Hälfte dient der Sacharbeit, die anderen dem Kindergarten.”

Diese persönliche Erklärung von Dr. Peter Gleißner (übrigens Rentner) bedarf kein Kommentar mehr.




(zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)

bisherige Kommentare

Die Kommentare spiegeln die Meinung der Leser wieder und stellen nicht unbedingt die Haltung der Redaktion dar.
1
31.01.2012
Ronny meint dazu:
Die guten Herren hätten das als Denkanstoss auffassen sollen. Der Handzettel ist doch mehr als eindeutig. Ich bin 1997 (im Alter von 20 Jahren) von Görlitz weg gezogen, da ich keine Chance mehr gesehen habe. 2001 bin ich wieder nach Görlitz gezogen und ein halbes Jahr später stand ich genau vor dem gleichem Problem. Da aller guten Dinge 3 sind, gab es 2008 noch einmal ein halbjähriges "Gastspiel". Solche verbitterten Menschen habe ich noch nirgends wieder gefunden.

2
31.01.2012
Unbekannt meint dazu:
Das müßten noch viel mehr Leute das Rathaus "stürmen "und die Stadträte mal kurzerhand austauschen damit dort mal frischer Wind reinkommt und nicht ewig der alte Trott ist der schon immer war!

3
31.01.2012
Circo Kunath meint dazu:
Ich finde, dass das was die jugendlichen da in Gang setzen vollkommen nachvollziehbar und gerechtfertigt ist, wie sonst könnten Sie besser auf sich und die Probleme aufmerksam machen, wenn nicht mit einem Flashmob.

Die Reaktion (Von wem auch immer Sie ausgegangen ist), die Polizei zu rufen finde ich absolut überzogen und peinlich. Letztlich belegt es aber auch genau die Einstellung, gegen die die jugendlichen dort "gemob´t" haben. Was soll man auch erwarten in einer Stadt in der ein Diskussionsthema lautet: "ob Denkmalschutz wirklich contra Investition steht".

In anderen Städten würden solche Konflikte nicht mit einem friedlichen Flashmob über die Bühne gehen.

Dass Görlitz eine "alte" Stadt ist will man nicht zugeben, für das Gegenteil will man aber auch nichts unternehmen. Zum Thema "alte" Stadt möchte ich hier nochmal den Beitrag des RBB anbringen: http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=7165662 .

Pensionopolis nannte man Görlitz wohl früher...

Ich hoffe auf jeden Fall, dass die jugendlichen die Möglichkeit der offenen/öffentlichen Diskussion wahrnehmen. Sei es nun hier über den Blog, den entsprechenden Facebook-Post (https://www.facebook.com/GoerlitzRealBlog/posts/376600179021175) oder wo auch immer.

P.S.: Was sagt eigentlich der Herr Schultze (http://www.mirko-schultze.de) von der Linken dazu? Er ist ja sonst auch recht aktiv und mithin im Video (Rechts hinten) gut sichtbar. ;)

4
06.02.2012
Frabi meint dazu:
Da wird wohl auch der Flashmob nichts bringen, die Stadt wirbt mit Billiglöhnen und geringen Lebenshaltungshalungskosten einschließlich Probewohnen um eine andere Klientel, nämlich gut betuchte Senioren.

Unsere Kinder haben hier zwar die Ausbildungen abgeschlossen, aber was eine altgediente Krankenschwester in Görlitz verdient, hat am Ende des Monats in Stuttgart schonmal der Azubi im 3.Lehrjahr. So ist die Tochter "ausgewandert".

Unser Sohn hat beim BiB studiert, genau dasselbe, Programmieren wird in Hamburg dreimal sogut bezahlt wie hier, nichts wie weg!

Das ist ja noch nicht alles, durch die Kinder wissen wir, dass deren halbe Ausbildungsklassen aus dem Görlitzer Umfeld in die alten Bundesländer "verschwunden" sind. Klassentreffen der Görlitzer werden seit ein paar Jahren in Köln oder Essen abgehalten, da fast alle jetzt im Westen wohnen.

Einzig die sind hiergeblieben, welche "keinen Bock" hatten und jetzt meist Kunden bei Ämtern für Sozialleistungen sind, von ein paar Enthusiasten mal abgesehen, die für ein Drittel vom Westgehalt meist mehr arbeiten müssen als die "Ausgewanderten" und von den Görlitzer "Wessis" nur belächelt werden.

Da macht sich im Stadtrat auch keiner Gedanken darüber, dass unsere Enkel wohl fast alle im Westen geboren werden. Die dort gewählten Ärzte, Versicherungsvertreter und Immobilienmakler sind mit den Senioren weitaus glücklicher, ohne an die "Spätfolgen" zu denken.

Viele junge Leute würden hier weiterhin ihre Steuern zahlen, wenn Gehalt und Umfeld stimmen würden, aber davon ist Görlitz mit der Ausrichtung auf Senioren meilenweit entfernt und die Flucht der Teenies und Twentys hält weiter an. Der Stadtrat setzt darauf, dass die Senioren das ausgleichen, aber das wird wohl nicht lange gutgehen.

MfG Frabi

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Flashmob